Tag 21: Tajikistan, Kirgistan - Pamir Highway 4
Wirklich schlafen konnte keiner von uns, denn die Höhe machte uns zu schaffen. Wir brachen ohne Frühstück sehr früh auf, um endlich wieder niedrigere Gegenden zu erreichen.
Die Autowerkstatt in Osh
Es ging weiter auf dem Hoch-Plateu, und nach rund zwei Stunden erreichten wir den höchsten Pass mit 4650 Meter Höhe über dem Meer! Bruno schimpfte lautstark über die große Anstrengung, doch wir waren mehr als glücklich, diesen Meilenstein unserer Reise erreicht zu haben!
Sogar das Schießen von ein paar Fotos war sehr anstrengend, und so genossen wir den Ausblick nur wenige Minuten lang, um dann wieder weiter Richtung Isskul-See zu fahren. Es folgten lange Geraden auf Schotterstrassen in einer Art Mondlandschaft, die nicht wirklich spektakulär war. Der See war auch nicht wirklich berauschend, wohl auch wegen der Umgebung der letzten paar Stunden anstrengender Autofahrt.
Wir erreichten die Grenze gegen Mittag, und wie schon von anderen Grenzen gewohnt wurde die Strasse bis dorthin immer schlechter. Die Tajikische Seite der Grenze war sehr hoch gelegen, und die Offiziere waren sehr nett. Bei der Kontrolle unserer Pässe konnten wir einen Blick in die Baracken werfen, in denen sie dort hausten: Ein Container, in dem zwei Stockbetten, ein kleiner Schreibtisch und ein kleiner Ofen standen. Sie wünschten uns noch eine gute Reise (wenn auch mit Kopfschütteln über unser tolles Auto), und der Balken Richtung Kirgistan öffnete sich.
Die Strasse, besser: der Schotterweg, ging endlich wieder bergab, wenn auch fast zu steil für Bruno. Die Kirgische Seite der Grenze ließ sehr lange auf sich warten, und bevor wir dort ankamen, passierte noch ein Malör: Bei der Druchfahrt durch einen Bach, der sehr steil bergab ging, hörten wir plötzlich ein "pffffffff" und der rechte Vorderreifen war hinüber :-(
Reifenplatzer auf 4200 Meter Seehöhe
Das Problem an dieser Panne war nicht, dass wir keinen Ersatzreifen hatten (wir hatten natürlich einen), sondern die Höhe: Wir waren noch immer über 4200 Meter, und jede Bewegung war anstrengend. Wenn Fotografieren schon anstrengend war, dann kann man sich vorstellen, wie anstrengend Reiffenwechseln gewesen sein muss: Wir schafften es fast nicht, den Wagenheber zu heben, und wechselten uns alle 30 Sekunden ab, denn ansonsten wurde einem schwindlig und es ging einem die Puste aus. Schlussendlich schafften wir es nach rund 25 Minuten den Reifen zu wechseln, und fuhren weiter auf der offenbar verschütteten Strasse talwärts.
Die Kirgeische Grenze war wirklich weit von der Tajikischen Seite entfernt, rund 10 Kilometer weit. Der Posten sah aber etwas moderner aus als der vorherige, wenn auch etwas Menschen-leer. Dominik versuchte vergebens mit "Hello"-Rufen einen Offizier zu wecken, was erst nach 10 Minuten gelang. Der etwas verschlafene Grenzoffizier schnappte sich unsere Pässe, verschwand in einem Gebäude, und brachte nach ein paar Minuten die fertig gestempelten Dokumente zurück und wünschte uns eine gute Fahrt. "Customs?" fragten wir, doch für die Zollkontrolle war er wohl zu faul ;-)
Nach 50 weiteren Kilometern auf Schotter erreichten wir endlich eine richtige Strasse, und was für eine: Eine komplett neue Bundesstrasse, die uns Richtung Osh durch hohe Berge mit vielen Serventinen führte. Wir erreichten die Stadt, welche das Ende des Pamir Highways darstellt, am frühen Abend, und fanden auf Anhieb ein Guesthouse, welches im Reiseführer empfohlen wurde.
Vor der Tür wurden wir mit einem "Servus griaß eich" begrüßt - ein Salzburger hatte den Pamir Highway mit dem Fahrrad bezwungen, und war gestern nach Osh gekommen, von wo sein Heimatflug ging. Wir plauderten ein paar Worte in gutem alten Österreichisch, und er zeige uns den Weg ins Guesthouse. Die Zimmer waren sehr schön, und nach kurzem Auspacken der wichtigsten Sachen machten wir uns sofort auf die Suche nach einem Mechaniker, denn die letzten paar Hundert Kilometer haben unser rechtes hinteres Achsen-Lager (wie zuvor unser Linkes) komplett zerstört.
Der Rezeptionist unseres Guesthouses zeigte nach Osten (oder so), wo wir laut seinen Handbewegungen einige Mechaniker finden sollten. Das taten wir auch, denn die ganze Strasse war gesäumt von kleinen Werkstätten, wo die Kirgisien ihre kleinen, japanischen Autos reparierten. Wir fuhren in den Innenhof einer etwas größeren Werkstätte, wo sich schnell herausstellte, dass dort niemand Englisch konnte :-) Die Hebebühnen, von denen es rund 10 in der Werkstätte gab, machten uns dennoch Hoffnung, und mit etwas Pantomime erklärten wir den offenbar an unserem Auto interessierten Mechanikern das Problem. Spätestens auf der Hebebühne verstand der uns zugeteilte Mechaniker, worum es ging, und fuhr prompt mit uns los, um den Gummi-Teil zu kaufen, der ersetzt werden musste.
Wir fuhren zu einer Art Bazar für Auto-Teile: Auf einer Fläche von einem Fussballfeld waren zig kleine Shops in umgebauten Schiffs-Containern, die alles mögliche für Autos, von Reifen über Duftbäume und Werkzeug, verkauften. Der Mechaniker scheint hier schonmal gewesen zu sein, denn er navigierte ohne Nachzudenken durch das Labyrint aus Container-Shops, grüßte einige der Verkäufer, und blieb vor einem kleinen Shop stehen, der offenbar den benötigten Teil hatte. Und siehe da: Es gab ein neues Achsen-Lager, zwar für einen Opel Vectra gebaut, aber genau dieser Teil hatte ja zwei Tage zuvor auch schon gepasst, also nahmen wir den Teil für 4 $ mit.
Zurück in der Werkstatt hatte einer der rund 12-jährigen Burschen, die auch in der Werkstatt arbeiteten, bereits den Reifen abmontiert und einige Schrauben entfert, so dass man das Lager ausbauen konnte. Ein zweiter Mechaniker kam hinzu, und zwischenzeitlich droschen 5 Mechaniker auf das alte Lager ein, um es entfernen zu können. Sie stellten sich nicht sehr geschickt an, doch nach etwas Gewalteinwirkung löste sich die Schraube und das alte Lager fiel heraus. Wie erwartet passte der Opel-Teil nicht 100%ig, doch mit etwas Isolierband und Fett schlüpfte das neue Achsen-Lager in die dafür vorgesehene Hülse, und unser Auto war wieder ready :-)
In einer benachbarten Werkstatt wurden noch für 2 $ unsere Ersatzreifen getauscht (neuer gegen alter Gummi), und mit ein paar Hammer-Schlägen unsere kaputte Felge ausgebogen. Der Mechaniker verlangte zuerst 100 $ für die Reparatur unseres Autos, doch das schlechte Gewissen über den hohen Preis holte ihn schnell ein, und er war mit 70 $ zufrieden (was für lokale Verhältnisse sicher sehr viel ist, doch auch wir waren zufrieden damit, dass Bruno wieder funktionierte).
Werkstatt in Osh
Mit einem neuen Achsen-Lager und zwei Ersatzreifen konnten wir sorgenlos einschlafen, was auch wegen der Höhe von Osh von 1300 Metern Seehöhe sehr einfach war.






















































