wir haben es geschafft!         am 16.08.2014 haben wir die ziellinie in ulaanbaatar erreicht!            im logbuch kannst du alles ueber unser abenteuer nachlesen!

Tag 15: Usbekistan

Heute sind wir wiedermal in einer Wüste aufgewacht: Am Morgen begrüsste uns die Usbekische Sonne, beim Zähneputzen gab es 360 Grad rundherum exakt nichts zu sehen ausser Sand und komische 20cm hohe Büsche. Auch keine Tiere, Fahrzeuge, Menschen - nichts! Auch in der Nacht war es komplett (und etwas gespänstisch) ruhig, aber so einen schönen und klaren Himmel haben wir dafür noch nie gesehen! Man sah ungefähr 10 mal mehr Sterne, als wir es vom Österreichischen Nachthimmel gewohnt sind. Selbst die Milchstrasse war sehr schön zu sehen!

Gleich der erste Abschnitt war etwas besonderes: Rund 250 Kilometer ohne eine einzige Kurve! Wir fuhren rund zwei Stunden nur gerade aus, aber wirklich schnurgeradeaus (sieht man sicher am Tracking)! Die Strasse wurde sehr gut, wir konnten die (sehr niedrige) Leistungsgrenze von Bruno komplett ausnutzen! Nach rund drei Stunden, und einigen leichten Kurven, wurde die Strasse wieder sehr schlecht, nur um dann nach 20 Kilometer auf eine komplett neue "Autobahn" zu führen. Der Asphalt für die letzten 150 km nach Nukus, wo wir übernachten sollten, war wirklich komplett neu! Was für eine Freude :-)

Usbekische Landschaft

Rund eine Stunde vor Nukus wurden wir beim Nachtanken aus unseren Kanistern von euphorischem Hupen überrascht: Ein anderes Rally-Team namens "Dänish Detour" kam vorbei, und blieb bei uns stehen. Die drei Dänischen Jungs waren sehr freundlich, und wir plauderten ein wenig. Sie waren es, die die Grenzpolizisten am selben Tag wie uns (aber vor uns) gesehen hatten. Sie sind in einem sehr alten Toyota Starlight unterwegs, der definitiv etwas schlechter gebaut ist als unser Bruno, unterwegs, und hatten für diesen Tag das selbe Ziel wie wir. Sie gaben uns noch die Adresse ihres Hotels in Nukus, und fuhren weiter (nur um dann 10 km später wieder von uns überholt zu werden ;-) ).

Team Daenish Detour
Team Dänish Detour

Wir haben das "Hotel" dann auch gefunden, und auch wenn es nicht wirklich 4* hat, waren wir mit den Duschen und Toiletten sehr zufrieden! Im Hotel-Restaurant gönnten wir uns dann noch undefinierbare Nudel-Speisen, die aber sehr lecker waren, und machten uns auf den Weg, um Benzin aufzutreiben. Bei der Suche des Hotels haben wir schon festgestellt, dass es hier grundsätzlich nur Propan-Gas-Autos gibt, und auch nur solche Tankstellen. Benzin (95 Oktan), wie wir in benötigten, gibt es offiziell nicht. Die Rezeptionistin war etwas überfordert mit unserer Frage nach Tankstellen, doch ein zuhörender "Tourist-Driver" mischte sich gottseidank ein, um uns aus der Patsche zu helfen (aktueller Tank-Stand waren rund 15 Liter).

Unser Hotel in Nukus

Er bot uns an, mit uns Benzin kaufen zu fahren, und auch unsere US-Dollar zu wechseln. Für 180.000 Usbekistan-Sun, die er uns zu einem Kurs von 1 Dollar = 2500 Sun wechselte (laut Rezeptionistin würden wir bei der Bank für einen US-Dollar 2300 Sun, auf dem Bazar/Schwarzmarkt 3000 Sun bekommen, obwohl sie dazu sagte, dass der Bazar "dangerous" sei), könnten wir 60 Liter kaufen. Marco blieb im Hotel, und Patrick, Dominik und der nette Herr mittleren Alters machten sich auf den Weg, Benzin zu kaufen.

Wir fuhren nur rund einen Kilometer, eher er einen Usbekischen Passanten nach dem Weg (oder so) fragte. Dieser deutete auf ein unbewohnt aussehendes Haus 100 Meter weiter, und der "Tourist-Driver" meinte, wir sollen dort hinfahren und parken. Er klopfte an eine Tür, feilschte etwas (der Preis für "Premium" 91er Benzin wurde auf 3600 Sun ausverhandelt), und plötzlich kam ein Hemd- und Schuh-loser Bewohner mit hektischen Bewegungen und ein paar sehr alten Kanistern auf uns zu. Patrick ging mit ihm mit, und ließ in unsere Kanister 20 Liter füllen. Die restlichen 30 Liter von den 50, die wir für die 180.000 Sun = 72 US-Dollar gekauft hatten, füllten wir in den Autotank. Alles ging sehr schnell, und der Mann hatte offenbar etwas Stress beim befüllen. User Helfer wartete im Schatten, und gab uns von der Weite noch den Tipp, den Benzin mit dem Finger zu testen, und darauf zu achten, dass er schnell verdampft (ein Zeichen für die Qualität des Benzins).

Nach rund 5 Minuten des Hinterhof-Tankens saßen wir wieder mit dem netten Herrn im Auto Richtung Hotel zurück. Er erklärte uns noch für dumm, dass wir nicht mehr Zeit in Usbekistan verbringen (wegen den Sehenswürdigkeiten - er war ja schließlich "Tourist-Driver"), und meinte, wir sollen im Verkehr gut aufpassen, denn alle seien betrunken und können nicht autofahren. Er sagte auch, wir sollten in der Nacht fahren, da dann weniger Verkehr sei. Beim Hotel angekommen gaben wir ihm seine 72 US-Dollar, um gleich darauf ein Angebot für unsere zwei Ersatzreifen am Dach für 100 US-Dollar zu bekommen :-) Er zeigte uns seine Reifen an seinem Chevrolet (Daewo), die wirklich nicht gut aussahen! Wir lehten aber freundlich ab, was ihm zwar nicht so gefiel, aber dennoch wünschte er uns eine gute Reise.

Erleichtert über den erfolgreichen Benzin-Kauf (wenn auch 50 Liter für 72 US-Dollar) machten wir uns auf eine kleine Erkundungstour zu Fuss. Wir besuchten den Basar in Nukus, der wirklich ein Basar war: An die hundert kleine Stände, an denne man alles von der Zahnpasta bis zur Kreissäge, von Mehl bis Eier und Fleisch, und auch Kleidung und Schuhe kaufen konnte. Die Stände waren alle fast gleich groß, rund 3x3 Meter, und waren alle sehr ordentlich sortiert, so dass man alle Waren auf einen Blick sehen konnte. Die Stimmung war sehr hektisch, und es wurde an allen Ecken gefeilscht. Wir fragten freundlich, ob wir Bilder machen dürfen, und konnten so sogar einige Stände fotografieren:

Nach dem erfolgreichen Ausflug zum Basar gönnten sich Patrick und Marco noch ein Bier im Gastgarten des Hotels (Dominik blieb, vernünftigerweise, bei Eistee ;-) ). Ein paar Tische weiter saß der "Tourist-Driver", der uns beim Benzin-Kauf half. Nach einer Weile ergab sich wieder ein Gespräch mit ihm, und ein paar Momente später saß er schon an unserem Tisch, und die Landkarte von Usbekistan war ausgebreitet. Er erklärte uns unsere Route, wo wir fahren sollen und wo nicht, wie wir mit der Polizei umgehen sollen und klärte uns auch über die politische Lage und Geschichte der Region auf. Es leben anscheinend sehr viele verschiedene Volksgruppen hier, und nach dem Zerfall der Soviet-Union wurden die Landesgrenzen eher zufällig gezogen, wodurch viele Familien und Volksgruppen getrennt wurden. Auch er hat Verwandte in Turkmenistan und Tajikistan, kann sie aber aus politischen Gründen nicht sehen.

Seiner Empfehlung nach ändern wir auch unsere Route: Es geht nicht nach Samarqand, sondern fahren direkt via Bukhara nach Qarshi, wo wir ein Hotel suchen werden. Wir werden auch am Weg Khiva besuchen, von dem er mehrmals schwärmte. Er klärte uns auch über Fahrzeiten und Fahrbahn-Zustand auf, und meinte, die Grenze nach Tajikistan werde kein Problem werden. Wir bedankten uns mehrmals bei ihm, und er zeigte uns auch noch das Yurt, in dem er im Gastgarten übernachtet (solche Yurte sind mobile Zelte, wobei dieses fix dort steht, und es gibt sie vor allem in Kasachstan und der Mongolei):

Das Yurt in unserem Hotel, in dem der "Tourist-Driver" schlief