Tag 11: Ukraine, Russland
Die Lust auf's Fahren war heute morgen mehr als zu spüren: Alle drei schlungen wir das Frühstück im Hotel Ukraine hinunter, packten schnell unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg aus Kiew hinaus Richtung Russland. Der Weg dorthin lautete ungefähr so: Nach 100 Meter links, dann rechts, dann bis Russland immer gerade aus. Die Realität war zwar dann nicht so einfach, aber wenn man wie wir doppelte Sperrlinien ignoriert und mitten auf der Autobahn umdreht, dann geht wenigstens keine Zeit verloren ;-)
Die Strassen Richtung Nord-Osten waren gespenstisch gut, und der Verkehr gespenstisch dünn. An der Ukrainischen Seite der Grenze angekommen waren wir über die fehlende Schlange an Autos (LKWs gab's genug) verwundert, und man ließ uns relativ problemlos nach einer kurzen Autodurchsuchung durch. Was dann kam, gefiel uns ganz und gar nicht.
Auf dem rund ein Kilometer langem Stück zwischen der Ukrainischen und der Russischen Grenze waren rund 100 Autos vor uns in der Schlange. Es war 12:30 Uhr lokaler Zeit, als wir uns ganz hinten einreihten. Ein kleiner Spaziergang ergab, dass fast nur Ukranier und Moldawier in der Schlange standen, und jeder brav wartete.
In der ersten Stunde warten bewegten wir uns keinen Meter. Wir packten unsere Camping-Sessel aus, und fingen an Asia-Nudeln zu kochen. Dabei bemerkten wir, dass sich das Spülmittel und der Ketchup im Kofferaum selbstständig gemacht hatten, und alles entweder Ketchup-rot, oder Spülmittel-grün war. So hatten wir wenigstens für die nächste Stunde eine Beschäftigung: Alles im Kofferraum putzen. Ging am Ende gut, und man riecht auch nicht's von dem Unglück.
Die nächsten Stunden verbrachten wir mit plaudern (trafen nette Menschen dort), schimpfen (Patrick war hier Meister), verzweifeln und Schatten suchen. Nach ewiger Wartezeit beschlossen wir, die Folie zu brechen und unsere haarnagelneuen Super-Trumpf-Karten auszupacken und das erste Mal zum Zeittotschlagen einzusetzen. Patrick ging als König der Landmaschinen, und Marco als Gewinner im Traktoren-Super-Trumpf-Spiel hervor!
Nach rund sieben Stunden waren wir ganz vorne in der Schlange angelagt, da kam auf einmal ein englisch-sprechender Mensch und grüsste uns! Was für eine Überraschung: Ein weiteres Rally-Team war gerade an der Grenze angekommen, und fand uns bei der initialen Inspektion der Schlange. Das Team Suicide Yaks kam von Prag via Polen in die Ukraine, und war am Weg nach Moskau (danach fahren sie die selbe Route wie wir). Wir plauderten rund eine halbe Stunde, und tauschten uns bei Themen wie Rally, Route, Prager Nachtleben und Ukrainischen Frauen aus. Nach dieser halben Stunde mussten wir uns leider (oder gottseidank?) verabschieden, denn: Der geheiligte, verfluchte und verwunschene Balken zur Russischen Grenze ging für uns auf!
8,5 Stunden Wartezeit zwischen der Ukraine und Russland
Bei den Grenz-Männern angekommen stellte sich auch ganz schnell heraus, warum wir bis hierhin achteinhalb (8,5!) Stunden gewartet hatten: Obwohl wir alle drei Visas hatten, und dazu alle unsere Daten bereits an Putin schicken mussten, durften wir nochmals viele Formulare ausfüllen, wurden komplett durchsucht, und durften dann auch noch eine Import-Deklaration für das Auto in zweifacher Ausführung ausfüllen (Kopierer? Keine Chance.). Der Auto-Import-Dokument-Mann war aber sehr sehr nett, wie auch alle anderen Russischen Grenzmenschen! Er sagte uns, was wir alles ankreuzen sollen (zB. dass wir nichts zu deklarieren hatten, was offensichtlich falsch war, aber er mochte uns anscheinend und ließ uns und unser Gepäck einfach so durch), und schickte uns nach ein paar Stempeln auf unseren Weg in das größte Land der Erde: Russland :-)
Die Freude über den, ausser dem langen Warten, problemlosen Übertritt nach Russland wurde aber schnell gebremst, als wir bemerkten, dass es mittlerweile komplett dunkel geworden war, und so suchten wir uns direkt neben der Hauptstrasse ein Feld, in dem wir Bruno parkten und die Nacht im Auto verbrachten.





